Der Anfang

Shownotes

Wie wird man eigentlich Bestatterin? Kaum eine Frage wird Julia und Renske häufiger gestellt als diese. Und irgendwie können die beiden es auch verstehen: Es war ein spannender und ungewöhnlicher Weg, den sie gegangen sind. In dieser Auftaktfolge der zweiten Staffel erzählen sie von ihren früheren Karrieren, den ersten Schritten in der Bestattungsbranche und davon, wie sie schließlich den Mut fanden, noch einmal ganz neu anzufangen.

Eine persönliche Folge über ungewöhnliche Lebenswege, Quereinstiege und die Erkenntnis, dass man seine Berufung manchmal erst auf den zweiten Blick findet.

Transkript anzeigen

00:00:04: Willkommen in unserem Bestattungsladen auf St.

00:00:06: Pauli!

00:00:07: In diesem Podcast erzählen wir von besonderen, merkwürdigen und manchmal auch humorvollen Begegnungen in unseren Bestattungsladen aus St.Pauli und sprechen über den Tod des Sterben und die Trauer – neulich im Bestattlungsladen der Podcast, der nicht ins

00:00:19: Dunkel bringt.

00:00:33: Noch mal.

00:00:35: Nur

00:00:38: einmal noch!

00:00:39: Du darfst beginnen, Renske.

00:00:40: Wie bist du Bestatterin

00:00:41: geworden?

00:00:44: Spät.

00:00:46: Ich bin spät bestattern geworden weil ich war eigentlich was anderes wie du auch.

00:00:52: Ich bin bestatteren geworden.

00:00:55: vor fünf Jahren würde ich fast ungefähr sagen so wie du und warum ich bestatter in geworden bin Weil ich einfach nicht mehr in meinem alten Job arbeiten wollte.

00:01:07: Eigentlich ist es der Grund.

00:01:10: Ja, fair!

00:01:12: Also ich hab studiert... Ich habe ganz lange gearbeitet im Konzertmanagement und für Orchester, Konzerthäuser.

00:01:20: Bin so in der klassischen Musik zu Hause gewesen.

00:01:23: Wieso?

00:01:24: Was hast du denn studiert?

00:01:25: Musikwissenschaft.

00:01:26: Also ganz am Anfang habe ich mal Popmusik studiert.

00:01:29: Damals konnte man damit aber noch wirklich gar nichts anfangen also zumindest mit diesem Studium nicht.

00:01:35: Und dann habe ich richtig Musikwissenschaften studiert und Theater-Wissenschaften und so was.

00:01:39: So ein richtiges, geisteswissenschaftliches

00:01:42: Studium.

00:01:42: Du hast jetzt wirklich ... Hast du Theater gespielt?

00:01:44: Nee, Theater-wissenschaften!

00:01:45: Musikwissen-Wissen ist ja alles nicht...

00:01:47: Aber hat man da auch so Kurse?

00:01:48: Nein Praxis?

00:01:48: Nein.

00:01:49: Hängt ja sein können.

00:01:49: Genau wie bei Musikwissenschaften also auch keine Praxiskurse.

00:01:52: Du redest die ganze Zeit über Musik.

00:01:54: Man musste kein Instrument ... nein.

00:01:56: Okay wir schweifen ab aber das war der Punkt.

00:01:57: Das gucke ich noch nicht.

00:02:03: Genau, also ich habe immer sehr viel geredet über irgendwelche Kultur.

00:02:07: Und das hab' ich dann auch im Job gemacht und war ja in der klassischen Musik-Szene... Auch die ist sehr heteronormativ!

00:02:16: Es ist alles irgendwie bestimmt, es ist alles total klar, es is ein aussterbendes Genre, wer kann sich das noch leisten ins Konzert zu gehen?

00:02:25: Ins klassische Konzern zu

00:02:26: gehen?!

00:02:28: Und mich hat das dann irgendwann gelangweilt.

00:02:30: Also es hat am Anfang Spaß gemacht, ich will das überhaupt nicht sagen aber so nach ein paar Jahren... ...hat es mich gelangwalt, weil ich gemerkt habe okay, es kommen immer noch die gleichen Menschen dahin und denen ist es eigentlich auch ziemlich egal ob ich da irgendwas tolles Fanziges irgendwie in eine Vorschau, in einen Programme geschrieben habe oder nicht.

00:02:51: Und ich hab mich da nicht mehr gesehen.

00:02:53: also es war tatsächlich ja Ich wusste nicht mehr, ob ich das noch ... oder eigentlich ziemlich sicher, dass ich das in ein paar Jahren machen wollen würde.

00:03:03: Ja und da?

00:03:04: Und dann wusste ich aber ja eben auch nicht was ich machen wollte.

00:03:08: Und hab dann per Zufall einen Interview gehört mit einem Berliner Bestatter.

00:03:14: Zu der Zeit habe ich im Berlin gewohnt.

00:03:17: Ich hatte mein zweites Kind bekommen und bin sehr viel durch die Ging geschoben und habe sehr viel Radio gehört.

00:03:23: Und hab dann ein Radio-Interview mit Erich Wrede gehört, er ist in Berlin bestattern hat seinen Bestattungsunternehmen was lebensnah heißt vor fünfzehn Jahren glaube ich gegründet inzwischen und war

00:03:37: vorher

00:03:38: Bucca im Popbereich und das fand ich ... Das hat mich natürlich so ein bisschen gekatscht und da dachte ich ah interessant der hat auch einen Wechsel gemacht und ist dann ganz neu da rein wie er diese Branche neu denkt und wo er denkt, dass man da sich nochmal umdenken müsste.

00:03:59: Dass man da noch mal neu erfinden müsste.

00:04:00: Das hat mich gepackt.

00:04:03: Und ich dachte irgendwie ah das was ich jetzt so mache in den letzten Jahren so Marketing-Kommunikationen und so das sind eigentlich so Fähigkeiten die dieser Branche irgendwie gut täten von sonst hatte ich überhaupt keine Ahnung.

00:04:15: Ich wusste nicht ob ich das irgendwie können wollen also wollen würde ich hatte keine Ahnung davon trauernden Menschen irgendwie zu tun haben.

00:04:23: Das ist ja schon mal ein toten Mensch, muss ich?

00:04:25: Auch noch nie!

00:04:26: Also tatsächlich nicht und das wusste ich eben alles gar nicht.

00:04:29: aber... Ich konnte es mir vorstellen.

00:04:31: also es war so ein bisschen so.

00:04:32: ah vielleicht wäre's ja das.

00:04:35: Das war dann natürlich so dass ich das da nicht sofort umgesetzt habe weil ich ja ich hatte eben gerade zweites Kind gekriegt.

00:04:42: Ich bin dann erst einmal wieder in den alten Job reingegangen bin dann wieder nach Hamburg gezogen, bin auch hier wieder erst mal in den alten Job oder in dieses alte Berufsfeld.

00:04:50: War einfach weiter rein weil ich hatte Kontakte es war einfach es ging weiter und dann kam Corona Und dann kam die Pandemie und dann war alles zu und ich hatte auch wirklich gar nichts mehr zu tun im alten Job.

00:05:03: Ich musste immer die Konzertabsagen wieder erneuern auf der Website und das war überhaupt nicht spaßig.

00:05:13: Und da hab ich mich dann wieder zurückgerinnert an dieses Interview und dachte, ja ... Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt, wo eben alles irgendwie auf Null gestellt ist.

00:05:23: Wo gar nichts klappt, wo man überhaupt nicht weiß was die Zukunft bringen soll.

00:05:27: Vielleicht ist das genau der Moment, das mal anzupacken und zu sagen okay, ich probier's!

00:05:31: Dann hab' ich Bewerbung geschrieben und einfach ziemlich blöde auch einfach Bewerbungen geschrieben als Bestattlerin, mich irgendwo beworben.

00:05:37: Du hast

00:05:38: sie als Bestatterin?

00:05:39: Ja

00:05:39: vollkommen bescheuert

00:05:40: Du hast doch nie den Verstorbenen Wünschen gewinnt.

00:05:42: Nee, aber ich dachte ja du kannst nicht.

00:05:44: Doof ne?

00:05:45: Also so... Das war halt auch glaube ich... Die Geier schon!

00:05:49: Ja also kann man doch mal machen.

00:05:50: Gar nicht

00:05:51: doof.

00:05:51: Keine Ahnung.

00:05:54: Habt natürlich auch prompte Absagen gekriegt.

00:06:01: Und wurde dann auch, ich weiß noch einmal habe ich so eine Absage gekriegzt von einer Bestatterin bei der ich mich beworben hab die dann sagte ja weiß ich Ich hätte doch einen tollen Beruf in der klassischen Musik zu arbeiten.

00:06:10: Das wäre doch fantastisch und ich sollte doch da bleiben, ich hätte eine vollkommen falsche Vorstellung von ihrem

00:06:15: Beruf.".

00:06:16: Und da dachte ich auch so ja aber also wenn das die Branche ist weiß ich noch nicht ganz genau weil ich glaube du weißt über meinen Job auch nicht so viel.

00:06:27: Naja es hat ein bisschen gedauert, ich habe ein paar Bewerben geschrieben, ein paar Absagen bekommen Und dann habe ich mich wieder beworben als Bestatterin bei einem Unternehmen.

00:06:36: und da war es aber so, dass jemand das gesehen hat der mir zwar gesagt hat ja okay als Bestaterin nein.

00:06:45: Aber wir hätten hier so Jobs als Minijobberinnen.

00:06:48: Du könntest ja doch als Helferlein anfangen?

00:06:51: Und da hab' ich gedacht ja gut, dann mach ich halt das!

00:06:53: So, das ist jetzt vielleicht auch wirklich eine ganz gute Gelegenheit.

00:06:55: Ich weiß aber auch, dass ich beim Bewerbungsgespräch gesagt hab aber ihr wisst schon ich möchte bestattern werden.

00:07:01: ne Das Gute ist, dass das in diesem Unternehmen einfach gesehen wurde.

00:07:06: Dass es wahrgenommen wurde und nicht vom Tisch gewischt wurde.

00:07:10: Und dass die mich und uns – ich sage jetzt schon uns, weil da haben wir uns getroffen – gelassen haben.

00:07:17: So bin ich's tatsächlich geworden!

00:07:19: Also ein bisschen durch Langeweile im Job ... Es gibt ja in dieser Branche immer so diejenigen, gelernt haben, die schon immer Bestatter waren.

00:07:29: Dann gibt es die Quereinsteiger, die meistens einen persönlichen Verlust hatten und das sind für beide nicht eigentlich.

00:07:37: Wie war's denn bei dir?

00:07:40: Bei mir ist es so gewesen dass mein Bruder eine Mexikanerin geheiratet hat.

00:07:45: also inzwischen sind sie seit zwölf Jahren verheiratete.

00:07:49: Die haben sich in Mexiko kennengelernt und sie kam dann relativ schnell nach Deutschland.

00:07:53: Und naja, über was unterhältste dich am Anfang?

00:07:55: mit einer Person?

00:07:56: Mit einer innerfremden Kultur?

00:07:57: Und dann fragst du halt solche Sachen!

00:07:58: Und ich hab sie wirklich doof gefragt... ...und dann ist ihr wirklich auf den Gräber und sie meinte ja!

00:08:05: Und hat mir halt einfach erzählt wie Sie das machen, wie Sie dem Tod begegnen.. ..und was ich damals schon besonders spannend fand dass sie viel schneller dankbar sind als wir zwar die Person jetzt verstorben ist, aber wie geil dass diese Person in meinem Leben war.

00:08:22: Und das wirkte irgendwie nach einfach wirklich auf dieser kulturellen Ebene und ich würde sagen, das ist bestimmt schon seit zehn, zwölf Jahre her

00:08:30: dieses Gespräch.

00:08:31: Dieses Gespräch?

00:08:32: Und dann...

00:08:34: Wo warst du zu der Zeit?

00:08:35: Was hast du zurzeit gemacht?

00:08:37: also beruflich?

00:08:39: Ich war glaube ich schon ... ich war noch in der Schweiz, ich war auch noch im Zürich im Vertrieb ja.

00:08:48: Und dann weißt du ja wie das ist, wenn dich Themen packen und dann siehst du auf einmal überall Zeitungsartikel darüber.

00:08:55: Irgendwann wissen es deine Leute, sie schenken dir Bücher und dann habe ich das Buch von Eric Brede gelesen.

00:08:59: Ah!

00:09:00: Und es ging weiter und es ging wieder.

00:09:03: Ja genau, da bin ich von Zürich nach Hamburg gezogen und ich weiß noch, ich stand hier auf der Straße und hab gesagt so jetzt bin ich in einer Millionenstadt und vor sind die Leichenwagen.

00:09:10: Mhm.

00:09:10: Wieso sehe ich das nicht?

00:09:14: Also

00:09:15: wo ist was sterben?

00:09:16: Wo ist der Tod in so einer großen Stadt?

00:09:18: Ja, noch nicht mal gar nicht so konkret wo es ja tut.

00:09:20: Sondern wie funktioniert das in der Stadt?

00:09:22: Wo sind die denn hier?

00:09:23: Selbst wenn sie im Krankenhausschnöde versterben muss doch ein Leichenwagen von links nach rechts fahren.

00:09:29: also das war ganz praktisch.

00:09:31: und dann ähnlich wie bei dir ne Dann kam Corona.

00:09:34: Ich war hier bei Xeng ich war im Vertrieb ich war happy

00:09:38: aber

00:09:39: wir waren im Home Office alles wurde langsamer Und die eigenen Gedanken wurden vielleicht bisschen lauter wieder

00:09:45: Genau.

00:09:45: Ich hatte aber nicht so ganz dicke Eier wie du,

00:09:48: ich hab mich als Praktikant ... Okay!

00:09:54: Und ähm...ich habe einen Praktikum auch glaube ein bisschen Glück und warum auch immer bei Erik bekommen?

00:10:00: Also du bist nach Berlin?

00:10:01: Ich bin nach Berlin, ich hatten mir zwei Wochen Urlaub genau und bin nach Berlin und ich hatte aber ähnlich wie du noch keinen verstorbenen Menschen gesehen.

00:10:08: Ich wusste gar nicht kann ich das wirklich noch

00:10:10: in deiner Kindheit nie

00:10:12: okay.

00:10:14: Und dann bin ich zu Erik und ich war super aufgeregt.

00:10:17: Ich mein, mit thirty-eight wieder ein Praktikum machen?

00:10:21: Dabei sind wir Generationen Praktikum!

00:10:22: Ich habe so viele Praktika gemacht.

00:10:25: Du

00:10:25: nicht?!

00:10:26: Nee du bist aber gleich ab ins Ausland und in den Job... Ich kann sie nicht zählen.

00:10:31: Wie viele?

00:10:32: Ungefähr

00:10:33: über zwölf, dreizehn, vierzehn Praktiker

00:10:37: und alle auch noch umbezahlt.

00:10:39: Ähm, neben Paar waren bezahlt.

00:10:41: Also ich bin dann so langsam da reingerutscht, dass die dann doch auch ein bisschen bezahlt waren... Was kriegst

00:10:45: du denn in dem Praktikum?

00:10:46: Neh,

00:10:46: zweihundert Euro im Monat!

00:10:48: Ja.

00:10:49: Nee, Renzke das hätte ich nicht gemacht.

00:10:53: Nee.

00:10:53: Ich war dann in Berlin und ja gut... Hast du

00:10:55: bei Erik was bekommen?

00:10:56: Nein.

00:10:56: Aha.

00:10:58: Aber ich habe ja auch Urlaub genommen.

00:11:00: Ich hab mir noch einen Gehalt gehabt.

00:11:01: Ja okay.

00:11:02: Bisschen mehr als zweihundot Euro.

00:11:04: Und ähm ...was bei Erik war.

00:11:07: Da sind ganz viele Frauen.

00:11:08: Der hat ganz viele tolle Frauen um sich geschaut, die für ihn arbeiten und die haben mich unter ihre Fittiche genommen und haben mich da so wundervoll eingeführt wie ich mit Verstorbenen umgehe.

00:11:18: sie habe mich mit den Gesprächen genommen Und meine erste Verstorbene wird auch immer bei mir bleiben, denn wir sehen Frau B und eigentlich ist es ja ganz schön.

00:11:26: Da gibt's jetzt noch eine Person, die oft an Sie denkt und da hatte ich danach das Gefühl wow!

00:11:31: Das ist was für mich und die hab' ich auch so entlassen Wie willst du dir in dein altes Leben zurück?

00:11:35: Ja, und dann stand ich aber genauso wie du.

00:11:37: Und jetzt?

00:11:38: Wie macht man jetzt einen Jobwechsel?

00:11:39: Okay, jetzt hab' ich's ausprobiert!

00:11:41: Ich kann das mit den Verstorbenen...ich möchte das.

00:11:44: Aber wie macht man

00:11:44: das?".

00:11:46: Dann habe ich auch den Tipp bekommen, dass es da ja so ein Unternehmen in Hamburg gibt die zwischendurch Mini-Jobber brauchen.

00:11:52: Dann habe mich da beworben und genau so wie bei dir haben sie mich gesehen und wir beide haben uns gefunden.

00:11:58: Tatsächlich weil wir knapp zwei Monate glaube nacheinander.

00:12:02: Du zuerst, ich zwei Monate nach dir dort angefangen haben und am Anfang haben wir gar nicht miteinander gearbeitet weil wir ja eben zwei Minijopperin waren also die nicht miteinander etwas taten sondern immer was für die dort arbeitenden Bestatterinnen und Bestattern gearbeitet haben.

00:12:18: Ich weiß nur ich habe am Anfang ganz ganz viel an Empfang gesessen und das Telefon bedient.

00:12:22: Also das war so meine erste große Aufgabe dass sich einfach an jedes Telefon klingeln also in jeden Anruf entgegengenommen habe.

00:12:29: Und da dann eben zum ersten Mal jemanden am Telefon hatte, der mir gesagt hat, dass seine Mutter verstorben ist.

00:12:36: Das weiß ich noch.

00:12:37: Ja

00:12:37: ja genau.

00:12:39: Nee, ich hab dabei viel bei Trauerfein geholfen.

00:12:42: eigentlich wurde ich nur für Trauer fein

00:12:43: gebucht

00:12:45: und die haben uns gesehen Renske.

00:12:47: Dann haben sie uns auch wahrscheinlich nacheinander, zwei, drei Monate nacheineinander gefragt ob wir nicht aufschocken wollen oder wirklich Bestattern sein möchten.

00:12:55: Sie würden uns alles beibringen?

00:12:57: Das was ich bei mir im Bewerbungsgespräch gesagt habe Er ist eingetreten.

00:13:01: Und das ganz ohne Ausbildung, weil wir haben eben beide nicht die Ausbildung gemacht, obwohl es sie gibt.

00:13:09: Also es gibt eine Ausbildung... Es ist ein Ausbildungsberuf allerdings noch nicht so lange?

00:13:14: Ich weiß es gar nicht, zwanzig, fünfundzwanzig dreißig Jahre vielleicht.

00:13:19: Es gibt eine Akademie wo man diese Ausbildung machen kann und es ist nicht verpflichtend, es ist keine Voraussetzung um als Bestatterin arbeiten zu dürfen.

00:13:27: Eigentlich komisch für Deutschland!

00:13:29: Ja Das ist ja auch was, was der Bestatterverband immer moniert.

00:13:33: Was ich auch verstehen kann.

00:13:34: also es macht Tür und Tor auf für viele schwarze Schafe das der Branche nicht immer gut tut und schon das ein oder andere mal geschadet hat.

00:13:45: Ja aber wir haben ja trotzdem viel gelernt.

00:13:49: Zum einen wurden wir wirklich...

00:13:52: Wir wussten ja ganz viele Sachen nicht!

00:13:56: Und da hat uns das Unternehmen auf der einen Seite viel Vertrauen entgegen gebracht, was ja aber auch gut war.

00:14:02: Wir waren zwei erwachsene gestandene Frauen und wir hatten schon Karrieren hinter uns.

00:14:06: Und trotzdem haben sie uns aber auch viele Seminare usw.

00:14:11: Workshops

00:14:12: ermöglicht finanziert.

00:14:13: deswegen... Was mussten wir lernen?

00:14:14: Die hygienische Versorgung.

00:14:16: Das haben wir gelernt.

00:14:18: Worauf man da achten muss wie man Wunden versorgt, wie man mit Verstorbenen umgeht.

00:14:23: Auch ethisch, moralisch!

00:14:26: dann haben wir uns natürlich ins Hamburger Bestattungsgesetz einfuchsen müssen.

00:14:31: Was ist erlaubt, was nicht?

00:14:32: Wie sind die Fristen und so weiter?

00:14:35: Genau wie funktionieren die ganzen Formalitäten?

00:14:37: Was ist eine Sterbefallanzeige?

00:14:39: nach welchem Paragraf im Personenstandsgesetzbuch wird die aufgesetzt usw.

00:14:44: Das war genau das war mehr so.

00:14:45: Pauken also Immer mal wieder nachschauen, immer mal wieder gucken.

00:14:51: Wir haben Zertifikate und die liegen bei uns im Land.

00:14:54: Die müssen wir eigentlich

00:14:55: aufhängen.

00:15:00: Genau!

00:15:00: Und irgendwann haben wir uns dann so weit befähigt gefühlt, dass wir dachten, wir können das wirklich auch auf eigene Kappe machen und haben unser Unternehmen gegründet.

00:15:10: Haben uns selbstständig gemacht.

00:15:11: Das geht ja noch ohne Meister?

00:15:14: noch ohne Meister möglich.

00:15:16: Das ist in anderen Handwerksberufen tatsächlich nicht so, da braucht es für eine Idee Eröffnung oder die Führung eines Betriebs ein Meister.

00:15:24: Im Bestatterhandwerk ist das nicht so was eben auch den Bestatterverband ein Dorn im Auge ist.

00:15:30: Auch das kann ich verstehen.

00:15:32: Die gehen das Thema so an dass sie eine Meisterspflicht für Neugründungen fordern was sich auch ein bisschen schwierig findet tatsächlich, weil das sind nicht nur die Neugründungen, die irgendwie problematisch sind in dieser Branche und das setzt einfach die Latte sehr hoch.

00:15:48: Aber

00:15:49: das ist ja auch angegliedet an der Handwerkskammer und wir sind ja in der Handelskammer.

00:15:53: Ja, wir sind aus Versehen irgendwie in eine Handelskammer.

00:15:55: Was heißt aus Versehen?

00:15:56: Wir wollten ja ein Unternehmen gründen!

00:15:58: Wir haben ja eine GmbH und dann brauchten wir Hilfe und da haben wir uns an die Handels-Kammer Hamburg gewinnt und die haben uns ja tatsächlich auch geholfen und dann haben sie uns natürlich auch gekäst.

00:16:07: Deswegen sind wir jetzt in der

00:16:09: Und nicht in der Handwerkskammer.

00:16:10: Ich finde eigentlich passt es auch irgendwie zu uns, weil das was wir machen ist ja mehr Dienstleistung als Handwerk.

00:16:16: also Ja ich sehe den handwerklichen Teil unserer Jobs

00:16:20: Aber in Hamburg ist er sehr gering dadurch dass wir die Gräber nicht selbst ausgeben.

00:16:24: Also

00:16:24: das sind ja.

00:16:25: das ist zum Beispiel Bestandteil der Ausbildung also dass man lernt wie man eine Kruft aushiebt Wie man dieses Gestell da rein baut welche Größe das haben muss wie ein Bagger fährt.

00:16:36: Es geht auch in dieser Ausbildung.

00:16:39: Ja, das finde ich auch nicht schlecht aber wir brauchen es halt nicht.

00:16:43: Was man da ja auch lernt oder wo ich auch einen handwerklichen Teil sehe ist zum Beispiel das Bauen des Sarges also dieses Holztischler also dass woher dieser Job eben auch kommt die Tischler in den Dörfern waren früher eben auch die Sackbauer und damit schon fast die Bestatter.

00:16:59: Also viele alte Bestattungsunternehmen, alteingesessene Bestattung haben ihren Ursprung in der Tischlerei.

00:17:06: In der örtlichen.

00:17:08: Aber auch das müssen wir hier nicht machen oder machen es nicht also so.

00:17:12: ich weiß wie ich einen Sagausschlage, wie ein Bauer weiß ich tatsächlich nicht vielleicht würde ich's hinkriegen?

00:17:18: Ach klar ja.

00:17:20: aber Für uns jetzt so als Unternehmerinnen hier oder als Bestattungsunternehmerin, bestattern hier ist tatsächlich dieser Dienstleistungsanteil eigentlich fast größer und damit sind wir dann irgendwie in der Handelskammer tatsächlich auch nicht

00:17:33: schlecht aufkommen.

00:17:36: Und würdest du trotzdem gerne den Meister machen?

00:17:38: Ja.

00:17:39: Irgendwie ja!

00:17:41: Naja... Also tatsächlich ist es Bock was zu lernen noch.

00:17:44: Ja

00:17:45: genau also das

00:17:45: hört nochmal ein bisschen anstrengend.

00:17:48: Das ist es nicht.

00:17:48: Ich hätte schon Lust drauf.

00:17:50: Bestattermeister Zu sein?

00:17:53: Meisterin

00:17:54: bitte.

00:17:55: Nee, ich glaube es heißt tatsächlich Bestattermeister.

00:17:57: Gibt's keine Weibliche?

00:17:58: Nein, die gibt's nicht in Weiblich Aber... Es ist halt nicht so einfach für uns irgendwie zu lösen dieses Problem, diese Akademie ist weit weg, es kostet sehr viel Geld.

00:18:09: Also die Zugänge dazu sind schwierig und nicht so einfach für jungen Unternehmen wie unseres irgendwie zu bewerkstelligen und zu meistern.

00:18:18: Naja, vielleicht hört das ja hier irgendjemand vom Verband.

00:18:21: Dann können Sie es mal ein bisschen ändern.

00:18:23: Wir werden dabei!

00:18:23: Wir wären die Ersten!

00:18:26: Neulich im Bestattungslhaben ist eine Produktion der gute Leudefabrik Kooperation mit AHAL Radio.

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