Wenn Papa stirbt
Shownotes
Kinder trauern anders als Erwachsene. Sie springen in ihre Trauer hinein und im nächsten Moment wieder heraus. Dieses Wechselspiel hat einen Namen: „Pfützentrauer“ – und genau darüber sprechen Julia und Renske in dieser Folge.
Anhand bewegender Geschichten aus ihrem Bestattungsalltag erzählen sie, wie Kinder den Tod eines Elternteils erleben, warum sie oft ungefilterte Fragen stellen und wie wichtig es ist, sie in Abschied und Trauer einzubeziehen. Es geht um bemalte Urnen, Welpen und Glitzerstifte, um lautes Weinen auf dem Friedhof und um das Vertrauen darauf, dass Kinder ihren ganz eigenen Weg finden, mit Verlust umzugehen – wenn Erwachsene ihnen den Raum dafür geben.
Eine Folge über Kindertrauer, ehrliche Gefühle und die Erkenntnis, dass Trauer nicht immer leise sein muss.
Transkript anzeigen
00:00:04: Willkommen in unserem Bestattungsladen auf St.
00:00:06: Pauli!
00:00:07: In diesem Podcast erzählen wir von besonderen, merkwürdigen und manchmal auch humorvollen Begegnungen in unseren Bestattungsladen auf St.-Paul-Lie und sprechen über den Tod des Sterben und die Trauer – neulich im Bestattlungsladen der Podcast, der nicht ins Dunkel bringt.
00:00:24: Julia?
00:00:25: Was ist Fützentrauer?
00:00:28: Ich finde das ist was Schönes.
00:00:32: Und ich wünschte mir für mich dass wenn ich irgendwann mal in der Situation bin da sich das so machen kann Fützentrauer habe ich das erste
00:00:39: Mal bei
00:00:39: Erik Vrede gehört.
00:00:41: Ich bin mir aber gar nicht sicher, ob das ein Ausdruck von ihm ist oder ob es Allgemeingültigkeit hat und das beschreibt im Grunde genommen die Trauer... ...bei Kindern!
00:00:52: Die machen das nämlich echt besser als wir Erwachsenen und zwar springen die wenn sie traurig sind in die Fütze der Trauer und sind traurisch und sind schaurecht traurich und weinen und schreien und benehmen sich vielleicht ganz irrelational können sich aber super schnell wieder fangen und springen aus dieser Fütze raus, und lassen sich von zum Beispiel einem Welpen oder bunten Glitzerstiften ablenken.
00:01:17: Und sind dann wieder glücklich!
00:01:19: Das ist schwierig für Erwachsene das zu sehen wenn sie das nicht richtig wissen warum Sie das machen.
00:01:25: Aber eigentlich ist das für unser Gehirn viel besser dieses Pendeln, diese Schwanken.
00:01:30: Wenn du nur traurig bist oder nur negativ bist, kann natürlich es passieren dass so wirklich Depressive ist eine depressive Verstimmung.
00:01:37: Und Kinder, damit das gar nicht passiert, pendeln einfach ganz schnell wieder zurück in die guten Zeiten und das nennt Anfützenfrau.
00:01:45: Ich wusste das und ich habe das einmal so eindrücklich gesehen oder erlebt.
00:01:50: Da ist der Papa gestorben und da waren zwei kleine Kinder ... Oh, die waren wirklich
00:01:55: klein!
00:01:56: Wenn das Älteste schon in der ersten Klasse war was alt?
00:01:59: Also wirklich kleine Kinder Und die wollten sich aber vom Papa auch im Sack verabschieden und haben Bilder gemalt.
00:02:06: Für ihn?
00:02:07: Ja, für ihn!
00:02:09: Er war aufgebahrt und dann sind wir erstmal vorsichtig an die Tür und haben die Tür so einen Spalt aufgemacht.
00:02:13: Dann haben sie sich erst ein bisschen erschrocken und auch vielleicht ein bisschen gegruselt.
00:02:17: Dann sind Sie ja weg und dann wollten Sie ja mal rein und haben da ganz tapfer ihr Bildchen in den Saat gelegt und waren dann auch süß und wirklich traurig.
00:02:26: Geschockt, würde ich nicht sagen.
00:02:27: Aber sie standen da und es war schwierig für Sie zu begreifen aber trotzdem wollten Sie ihm noch was mitgeben und sie waren wirklich traurig am geweint.
00:02:35: Und dann haben sie aber selbstständig auch gesagt so jetzt möchten sie wieder rausgehen und er hatte eine damalige Kollege tatsächlich in Welpen und den hat sie weil sie das ja auch wusste aus dem Büro geholt und wir hatten die Glitzer Schifte
00:02:49: Glitzer- und Hundebabys Ja,
00:02:52: wird mich auch immer noch kriegen.
00:02:54: Und dann haben sie erst den Welpen gesehen und der war zum Glück auch zu traurig.
00:02:58: Dann konnten Sie erst mit dem Welpen spielen, die Glitzerstifte waren komplett in einer anderen Welt.
00:03:02: Es gab Papa nicht mehr, es gab keinen Tod, keine Trauer.
00:03:06: Ein Welpe und Glitzer Stift, die haben gequetscht, gelacht ... Als ich das so haut, hab ich schon gesagt, okay ist für uns Erwachsene was heißt verstörend?
00:03:16: Aber man guckt da drauf und denkt wie kann das sein?
00:03:19: Völlig normal!
00:03:20: Das ist die Pfützentrauer einfach das Pendeln.
00:03:25: Ich hab da auch ein sehr lustiges Beispiel tatsächlich für viel Trauer.
00:03:29: Du weißt, was ich erzählen will.
00:03:30: Ich weiß es ja!
00:03:32: Tatsächlich ist da gar nicht ein Elternteil verstorben aber eine Oma.
00:03:37: Eine Oma bei der die auch groß geworden sind... ...die Kinder auch und
00:03:42: es gibt ja Omas und Opas die ganz nahe sind.
00:03:44: Die fast
00:03:44: wie Eltern sind genau so und so war das da auch.
00:03:48: Es gab eben die Tochter der Verstorbenen, mit der ich zu tun hatte.
00:03:51: Die war auch ungefähr so alt wie ich.
00:03:53: Sie hatte zwei Kinder – auch wirklich klein also drei und fünf.
00:04:00: Und ihre Schwester hatte eine Tochter, die auch fünf war.
00:04:06: Also drei Stebke?
00:04:07: Drei kleine Wutzis Der Tochter der verstorben, dann habe ich lange drüber gesprochen.
00:04:17: Für sie war es ganz schwer sich vorzustellen wie sie sich jetzt verabschieden möchte von ihrer Mutter und zwar ging es da v.a.
00:04:22: um die Beisetzung.
00:04:23: also Sie hatte mit Ihrer Mutter die lange krank war und auch an dieser Krankheit verstorbt ist darüber gesprochen.
00:04:28: sie hatten zur Lebzeiten der Mutter noch einen Grab gekauft.
00:04:31: das war alles geklärt.
00:04:32: der Ort war irgendwie da und fest.
00:04:34: aber Wie sollte das da jetzt eigentlich stattfinden?
00:04:38: Und vor allen Dingen so stattfinden, dass diese drei Kinder auch irgendwie beteiligt würden.
00:04:44: Sie selber war natürlich auch total traurig und konnte sich das gar nicht vorstellen.
00:04:51: Und dann haben wir lange, lange überlegt und hin und her.
00:04:54: Wie können wir es machen?
00:04:55: Dann wollte sie Pizzaschnecken backen und die mitbringen.
00:04:57: Das war auch nach einem Rezept von der Oma, dass die Kinder eben so kann.
00:05:01: Genau, so ein Picknick!
00:05:02: Ich habe einen schönen, bunten Blumenstrauß besorgt.
00:05:05: Ich hab auch Stifte besorgt, dass Sie die Urne noch mal da vor Ort anmalen können.
00:05:10: Wir haben einen richtigen Tischchen aufgebaut wo das alles gut und sicher stand direkt neben dem Grab.
00:05:16: Ich hatte ganz bunte, in allen möglichen Näh- und Farbenleuchten Blütenblätter besorgt die sie da eben auch streuen konnten.
00:05:22: Also so
00:05:23: bisschen wie Glitzer fast!
00:05:25: Ja und ein bisschen wie Kindergeburtstag auch.
00:05:27: So Sachen, Aktionen machen was zu essen, was zu trinken... Sie hatten sich hier diesen Sekt in Dosen gewünscht also die Erwachsenen und dann sollte es für die Kinder natürlich auch etwas geben.
00:05:38: ich habe irgendwie so eine ganz bunte Tropika-Fanta in Dose gefunden.
00:05:42: Ich erinnere mich
00:05:43: ja!
00:05:43: Das durften sie dann auch obwohl eigentlich ja natürlich Trinken sehr so klein keine Fanta Genau.
00:05:50: Und dann stand das da alles so bereit und wir sind da so hingegangen, also wir haben uns erst getroffen und die Stimmung war irgendwie gut, es war ganz frühmorgens...
00:05:58: Die hatte auch schönes Wetter!
00:05:59: Wir hatten super schönes Wetter und dann hat sich so die Urne auf eine Bank gestellt und sie stand in der Sonne und so, da ist jetzt Oma drin ja und dann ging's erstmal um diese wissenschaftlichen Fragen und dieses wissenschaftliche dieser Durst Der Kinder, der da irgendwie gestillt werden musste.
00:06:16: Wie ist die da denn jetzt drin und in welcher Form?
00:06:18: Und wie passt sie denn so was Kleines rein?
00:06:21: So...und dann hatte ich das ein bisschen erklärt und dann sind wir so losgelaufen und sind zum Grab gelaufen.
00:06:27: Dann fanden die es wunderschön mit diesen Stiften und eben auch alles bunt und farbig und ach!
00:06:32: Wir dürfen da jetzt drauf malen und so.
00:06:34: Klar.
00:06:35: Und dann gab's was zu essen und keine Ahnung und alle waren irgendwie gut drauf und so.
00:06:39: und dann als der Moment kam wo die Urne ins Grab sollte ging es los.
00:06:46: Es war ein Heulen- und Zähneklappern, diese Kinder haben geweint, geschrien sind im Kreis gelaufen.
00:06:53: die wussten überhaupt nicht wohin?
00:06:55: Die waren auf einmal so traurig dass sich das so bahn gebrochen hat bei denen also wirklich körperlich einfach am Ende waren in diesem Moment.
00:07:04: Sie sind
00:07:04: ohne Gummistiefel in die Viertze gesprungen.
00:07:06: Ja
00:07:07: genau der ganz kleinste hat sich dann die Winde vorher geschissen.
00:07:13: Quell, dass irgendwie überall raus.
00:07:15: Keiner hatte Zeit sich aber auch darum zu kümmern.
00:07:16: Alle waren am Weinen, alle waren irgendwie geschockt und ich stand mit der Tochter, der verstorbenen da so da und guckte... Wir gucken uns das an und sie ... Ich weiß gar nicht, es tut mir total leid.
00:07:28: Es war auch super laut!
00:07:30: Die waren total laut auf diesem total stillen Friedhof morgens.
00:07:36: Und ich habe einfach nur gedacht, ja ist doch jetzt egal.
00:07:38: Lass uns das doch hier einfach durchziehen!
00:07:40: Es ist egal die dürfen das machen, es ist keiner hier wir stören keinen.
00:07:43: Die dürfen da jetzt einmal so richtig genau
00:07:45: durch die
00:07:46: Trauerfütze durch warten sich richtig einsuhlen und so richtig rein.
00:07:51: und das haben sie auch gemacht.
00:07:53: Zwischendurch war es so absurd dass wir Erwachsenen einfach nur noch gelacht haben also weil das war...
00:07:59: Naja wenn er so drei kleine auf
00:08:02: alle.
00:08:04: Und dann haben wir auch noch Musik gehört.
00:08:06: Das waren komische Party-Songs, die sich die Kinder gewünscht haben hier.
00:08:10: Wenn ich ein Möbelstück wäre, hätte ich nicht so Sachen auf Mallorca gespielt werden.
00:08:15: Die haben wir ganz laut angemacht, um sie runterzubringen irgendwann.
00:08:19: Das hat gut funktioniert und die waren richtig erschöpft am Ende.
00:08:24: Dann war Barbargut.
00:08:25: Ja also dann war dieser Moment als die Tochter der verstorbenen, ihre Mutter sagte So!
00:08:31: Jetzt gehen wir nach Hause Und weiß ich gar nicht, irgendwie Pizza kaufen gehen.
00:08:35: Pizzan noch mal wahrscheinlich, Fankuchen irgendwas.
00:08:37: Es gab jetzt jetzt Frühstückenberichte und dann war gut.
00:08:41: Und dieses ganze Heulen- und Zähneklappern war von einem auf dem Jetzt vorbei?
00:08:44: Ja!
00:08:44: Und man lief da fröhlich mit voller Windel leider immer noch aber lief dann wieder zurück zum Auto.
00:08:51: Das ist eine süße Geschichte.
00:08:53: Ich habe noch eine die ist nicht ganz so süß.
00:08:55: Da ist auch ein Papa verstorben.
00:09:01: Da haben wir viel Anteil nehmen dürfen an der ganzen...
00:09:05: Ich weiß, wer nur meint.
00:09:06: Ja!
00:09:07: An der ganzen, an dem Sterben, an den Beerdigen und sich finden.
00:09:11: wie machen wir es mit den Kindern?
00:09:15: Weil das
00:09:16: auch so nahe an uns war.
00:09:17: Der Verstorbene war so alt wie wir.
00:09:19: Seine Frau war so Alt wie wir.
00:09:21: Es gab Kinder die im Alter meiner Kinder waren
00:09:26: Und da war's dann so als wir wirklich Gefeiert haben, als dann einen Tag später die Beisatzung im Meer oder weniger kleinen Kreis stattfinden sollte.
00:09:38: Da hat das eine Kind zur Mutter... Oder die Mutter gefragt und er gesagt, dass weiß ich gar nicht.
00:09:44: Ich war ja nicht dabei in der Operation erzählt warum denn eher und nicht sie verstorben werden?
00:09:50: Und ich meine wie krass ist das wenn du da deinen Partner verlierst selbst sowas von traurig bist, versuchst diesen Abschied für deine Kinder irgendwie so angenehm zu machen wie es irgendwie nur geht sie teilhaben zu lassen sie mit einzubinden.
00:10:06: und an dem tag kriegst du ungefiltert die frage und ich meine kinder denken über sowas nicht nach was das auslöst.
00:10:13: dass ist das waren auch ganz kleine kinder.
00:10:15: das war überhaupt nichts berechnendes.
00:10:17: nein
00:10:18: zwar einfach nur super ehrlich weil der schmerz so groß war
00:10:23: Das war der Ausdruck seiner Trauer in diesem Moment und das war richtig schlimm.
00:10:27: Es war richtig, richtig schlimm!
00:10:29: Und es war auch
00:10:29: für uns schlimm als wir es gehört haben weil er uns das so reingefahren ist?
00:10:31: Ja ja
00:10:32: und genau... Wir haben ja gewartet und die kamen zu spät zur Beisetzung
00:10:36: Weil
00:10:37: der Junge ihr das also der Witwe dass an den Kopf geworfen hatte und sie erstmal einfach gar nicht mehr weiter wusste und sich wirklich erst mal hinsetzen musste und das Verdauen musste wusste, dass sie in diesem einen Moment jetzt auch nicht mehr nett zu ihm sein kann.
00:10:56: Weil sie das so getroffen hat.
00:10:58: und natürlich weiß sie, das wusste sie auch damals, dass er ein Kind ist und dass er das durfte oder dass das passieren konnte.
00:11:07: aber es war für sie unheimlich schwierig auszuhalten da in diesem moment dieses kind zu begleiten.
00:11:15: Das ist eben so.
00:11:15: dieses Thema bei dieser Kindertrauer, das was du auch schon am Anfang gesagt hast.
00:11:20: Dieses Begleiten und dieses Aushalten, dieses Wahrnehmen davon... Und
00:11:25: gleichzeitig ja selbst auch einfach unglaublich traurig sein.
00:11:29: Genau!
00:11:30: Und es nicht zu bewerten und sich nicht auf sich selber zu beziehen und es sich nicht zu herzen zu nehmen und gleichzeitig aber noch Ausdruck für die eigene Trauer zu finden.
00:11:39: und ich weiß gerade bei ihr diese Frau die wir da begleitet haben Wir haben so viel darüber gesprochen, was diese Trauer auch mit ihr macht.
00:11:47: Ich weiß noch irgendwann kam sie zu uns in den Laden und meinte Boah hey Menstruation!
00:11:51: Und Trauer ist wirklich das
00:11:52: allerletzte.
00:11:53: Entgegnacht!
00:11:55: Die hatte einfach so viele Themen und eben aber auch noch diese zwei kleinen Söhne.
00:12:01: Das war schon wirklich, wirklich doll
00:12:03: Ja und obwohl sie hatte ja auch ein tolles Umfeld.
00:12:06: Und das ist ja auch wichtig, dass es dann in so einem Trauerfall Menschen gibt die zwar auch traurig sind aber einen Schritt weiter hinter der Linie stehen und vielleicht dadurch auch den Kindern noch mehr Raum geben können und sie noch besser auffangen können und die Bedürfnisse noch besser zu stellen.
00:12:22: weil wenn man sich jetzt einfach vorstellt wir haben die klassische Familie Mutter Vater Kind Mutter und Vater lieben sich und einer von den beiden stirbt Wie soll denn das überhaupt funktionieren, dass der übrig geblieben mit seinem Schmerz und Trauer sich so hundert Prozent um dieses Kind kümmern kann?
00:12:38: Und deswegen ist es schon wichtig wenn's dann auch andere Personen gibt.
00:12:42: Da haben wir ja auch einige schon gesehen, dass das ganz wundervoll funktioniert und dass es dann auch richtig schön ist wie diese Kinder wahrgenommen werden was ihnen alles ermöglicht wird.
00:12:52: also als ob dieser große Kreis an sei es Freundinnen Freunde der Eltern oder Großeltern Geschwister der Eltern Wie um so eine schützende Wand Wolke, um diese Kinder und die total in den Fokus nehmen können.
00:13:07: Und sich eben genau darum kümmern können, dass das ... Ja, dass sie eben in ihre Pfützen springen können und wieder rausspringen dürfen und auch den Weg wieder herausfinden.
00:13:16: Weil eigentlich ist es ja gar nicht so schwierig, das kindgerecht zu machen oder so zu gestalten, dass für Kinder gut auszuhalten ist und sich vor allen Dingen sie sich gesehen fühlen.
00:13:29: Darum geht es doch immer, Sie nicht ausschließen!
00:13:32: Und in dem Fall wo du gerade gesagt hast mit dem Kokon, da durfte sie ... Da war's auch so oder sie durfte sogar noch Freunde zur Beerdigung einladen?
00:13:39: Also gar nicht.
00:13:40: das jetzt irgendwie... noch irgendwie, sei ich da zu machen Kindergeburtstagsmäßig.
00:13:46: Aber sie wurde gesehen und sie durfte auch ihre Freunde mitbringen wie ihr vielleicht dann auch
00:13:50: Kraft geben?
00:13:51: Ja ja das war also.
00:13:53: ihre Mutter ist gestorben die Mutter dieses kleinen Mädchens Und wir haben eine Trauerfeier gemacht eigentlich eine klassische Trauer feiern an einem etwas ungewöhnlichen Ort aber der spielt hier gar nicht so eine große Rolle weil es war von vornherein auch irgendwie klar dass die Tochter also dieses kleine Mädchen Raum bekommt seine Freunde einladen
00:14:14: darf.
00:14:15: Es gab einen Kickertisch, die waren eigentlich die meiste Zeit damit beschäftigt irgendwie zu kickern und irgendwie so... Und
00:14:20: auch der Klassiker Limo zu trinken?
00:14:21: Limo sind immer wieder die Süßgetränke!
00:14:24: Die
00:14:24: helfen!
00:14:25: Also
00:14:25: ich weiß auch noch dass da von Anfang an die Snacks auf den Tisch gepackt wurden und das ist eigentlich auch für alle anderen Anwesenden total heilsam mal rauszubrechen aus diesem klassischen Trauerfeier Setting, wo man dann da sitzen soll und irgendwie traurig gucken soll.
00:14:40: Und eine Rede zuhören soll und stillsitzen soll.
00:14:44: Sondern eben einfach auch mal rauszuspringen aus dieser Fütze.
00:14:48: Und sich mal kurz an den Kickertisch zu stellen und meine Runde mit der Tochter der Verstorbenen zu kickern.
00:14:54: Das haben dort alle so wunderschön gemacht in diesem Umfeld Ja, diese Feier dann auch wirklich ganz besonders werden lassen.
00:15:05: Und es sind eben wirklich ... Wir haben ganz viele Möglichkeiten da irgendwie Raum zu schaffen und die Grenzen, die eigentlich nur eher in unseren Erwachsenenköpfen sind, zu sprengen.
00:15:19: Und das geht ja gar nicht nur um den Moment der Trauerfeierwerten.
00:15:23: Das hat mir tatsächlich noch nicht häufig, aber wir hatten letztens das erste Mal auch ein Beratungsgespräch mit einem Kind, mit einem Sohn.
00:15:31: Auch da war sein Vater verstorben.
00:15:35: Ja, und auch plötzlich ohne Vorbereitung?
00:15:38: Es waren schlimmer Tod, es waren plötzlicher Tod Und die Eltern waren nicht mehr zusammen oder waren auch glaube ich weiß ich gar nicht schon lange nicht mehr zusammens gab ein Sohn und Es gab seine Mutter die ihn total im Blick hatte und die ihnen einfach wirklich überall mit hingenommen hat und ihm auch einfach Mitbestimmung ermöglichen wollte.
00:15:59: Und so saß er mit uns im Beratungsgespräch, also er sah es nicht.
00:16:02: Er ist durch den Raum geflitzt und hat sich unser Feuerzeug geschnappt die ganze Zeit irgendwie in der Ecke rumgezündelt dann ist er wieder bei uns vorbeigekommen.
00:16:11: Das war schwer auszuhalten für uns?
00:16:13: Für uns!
00:16:13: Ja
00:16:14: aber
00:16:15: genau wir haben alle mit Zähne knischen.
00:16:17: ich weiß noch dass wir ein paar Tage später mit der Mutter gesprochen haben.
00:16:19: sie da hat sie sich bei uns bedankt dass wir das hier ausgehalten haben.
00:16:26: Das war schwer, aber es hat gut funktioniert und vor allen Dingen war's einfach total wichtig dass wir diesen Jungen gesehen haben mit seinen Bedürfnissen das wie ihn wahrgenommen hatten.
00:16:34: Der war auch ein bisschen älter.
00:16:35: schon der war zehn und er konnte das ganz genau formulieren was er brauchte
00:16:40: Und was er wollte?
00:16:41: Was er nicht wollte.
00:16:42: also der konnte uns ja in seiner Trauer und in diesem Rumgespringe ganz klar Antworten geben.
00:16:47: Ja nein
00:16:48: Genau Möchte
00:16:50: ich möchte ich nicht und das war dann wieder beeindruckend fast.
00:16:54: Was aber einfach nur bedeutet immer mitnehmen?
00:16:57: Immer mitnehmen und zu Wort kommen lassen, nicht ausschließen.
00:17:00: Nicht irgendwie denken dass man diese Menschen, diese kleinen Menschen überfordert.
00:17:06: Das tut man nicht.
00:17:07: Und wenn dann melden die sich schon
00:17:10: Neulich im Bestattungslhaben ist eine Produktion der gute Leudefabrik cooperation mit AHA Radio.
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