Lücken im Gesetz

Shownotes

Was ist beim Bestatter eigentlich so gar nicht erlaubt? Mehr, als man denkt.
In dieser Folge von „Neulich im Bestattungsladen“ sprechen Julia und Renske über die Grenzen des deutschen Bestattungsrechts und darüber, welche Wünsche von Angehörigen immer wieder mit dem Gesetz kollidieren.

Warum darf die Asche eines verstorbenen Menschen nicht einfach geteilt werden? Was steckt hinter dem sogenannten „Schweizer Modell“? Und warum führt der Weg für manche Bestattungswünsche über die Niederlande, die Schweiz oder sogar bis nach Norwegen?

Außerdem geht es darum, welche Alternativen es gibt, wenn Angehörige ein persönliches Andenken behalten möchten, und warum sich die Bestattungsgesetze in Deutschland langsam verändern.

Eine Folge über Gesetzeslücken, ungewöhnliche Bestattungswünsche und die Frage, wie zeitgemäß unsere Regeln rund um Tod und Bestattung noch sind.

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00:00:04: Willkommen in unserem Bestattungsladen auf St.

00:00:06: Pauli!

00:00:07: In diesem Podcast erzählen wir von besonderen, merkwürdigen und manchmal auch humorvollen Begegnungen in unseren Bestattungsladen aus St.Pauli und sprechen über den Tod des Sterben und die Trauer – neulich im Bestattlungsladen der Podcast, der nicht ins

00:00:19: Dunkel bringt.

00:00:25: Renzke, was ist beim Bestatter so gar nicht erlaubt?

00:00:30: Ziemlich viel... Also es ist tatsächlich einiges nicht erlaubt Manches ist eine Ordnungswidrigkeit, manches ist ein Straftat.

00:00:40: Es gibt viele Mittel und Wege.

00:00:43: was aber wirklich nicht erlaubt ist zum Beispiel das Teilen von Asche.

00:00:50: also wenn eine Feuerbestattung stattgefunden hat und die Asche in der Urne ist dann darf man keine kleine Portion da abnehmen oder raus nehmen entnehmen.

00:01:00: Und was ist mit diesen ominösen drei Gramm?

00:01:04: Auch nicht!

00:01:05: Die manche

00:01:06: Nein, weil das Bestattungsgesetz... Genau.

00:01:10: Das ist auch nicht erlaubt in keinem einzigen Bundesland denn wir wissen ja, dass jedes Bundesland hat sein eigenes Bestattunggesetz und es ist in keinm Bundesland erlaubт Denn vor dem jeweiligen Bestattingsgesetz gilt immer die gesamte Asche quasi als verstorbene Person Und man darf von einer verstorbenen Person keinen Finger abtrennen oder Kein Bein, natürlich nicht.

00:01:37: Es kommt auch keiner auf die Idee und genauso darf man das auch nicht von der Asche ein bisschen entnehmen sondern die gesamte Asche muss beigesetzt werden.

00:01:49: Aber es ist ja von vielen Menschen irgendwie trotzdem Wunsch ein bisschen

00:01:52: aschet zu behalten Tatsächlich öfter gefragt Aus

00:01:57: vielerlei Gründen.

00:01:58: Manche verstehe ich, manche versteh' ich nicht.

00:02:01: Und jetzt hatten wir vor ein paar Monaten zwei sehr junge Menschen bei uns sitzen, die auch erst unbedingt Asche haben wollten.

00:02:12: Und in meiner Erinnerung sitzt du in diesem Beratungsgespräch neben mir und wir haben das so laufen lassen.

00:02:18: Wir haben darauf gar nicht reagiert auf diesen Wunsch.

00:02:22: Das war dann doch ein recht langer Prozess bis sie sich gefunden haben was sie wollten und wie beerdigt wird.

00:02:30: Als es wieder auf dieses Thema kam sagten Sie recht vehement, ja Sie hätten sich das jetzt überlegt Sie würden kein bisschen Asche mehr haben wollen.

00:02:37: Denn wer kann denn genau sagen, dass das nicht der Tumor

00:02:43: war?

00:02:44: Dass das nicht ein Stückchen Tumour ist und das ist ja das Letzte was sie haben wollen würden.

00:02:48: Und deswegen soll jetzt alles in einen beigesetzt werden.

00:02:53: Und so hatte ich das vorher noch nie gesehen.

00:02:55: Das man ja wirklich sagen könnte Ja aber das Asche was man hier abtrennt ist der TUMOR gewesen.

00:03:03: Ja, weil's falsch ist.

00:03:04: Also so kann man es nicht sehen tatsächlich.

00:03:06: Weil die Asche ist ja sowieso eigentlich vor allen Dingen Knochen und gar nicht gewebe menschliches Gewebe kein Tumor.

00:03:15: also davon bleibt kaum etwas übrig Und man kanns auch nicht so genau trennen.

00:03:19: also man sieht das nicht.

00:03:21: Ich meine wir haben jetzt auch schon menschliche asche gesehen humanasche wie man das nennt Man sieht ja keinen Unterschied.

00:03:28: Also insofern ja ich Kann den Ansatz den mag ich.

00:03:33: Ich finde es schön, weil das eben so die Gesamtheit der verschauenden Person errt und würdigt.

00:03:40: Auch wenn die Herleitung dazu eigentlich nicht ganz korrekt ist!

00:03:45: Wir haben aber diese Geschichte auch mal zum Anlass genommen sie immer wieder zu erzählen und mit ranzutragen Wenn wieder dieser Wunsch an uns herangetragen wird Weil unsere Haltung inzwischen einfach dazu ist dass wir es nicht durchführen.

00:03:59: Ich weiß, dass es Bestatterinnen gibt in anderen Bundesländern.

00:04:03: In ganz Deutschland.

00:04:04: Dass es auch Krematorien gibt die das erlauben?

00:04:09: Wir für uns haben entschieden, dass wir das nicht tun wollen einfach um da gar nicht irgendwie in einen Konflikt zu geraten.

00:04:17: Ja und weil mir diese Tumorgeschichte ja auch irgendwie so aufgehört ne warum auch?

00:04:22: also warum sollte man das teil?

00:04:23: man kann andere andenken haben.

00:04:25: genau Das ist tatsächlich was, was ich dann häufig auch vorschlage.

00:04:30: Wenn der Wunsch an uns herangetragen wird, erzähle ich die Geschichte und sage nein, es ist einfach wirklich nicht erlaubt.

00:04:37: Und suche nach einer anderen Möglichkeit zum Beispiel, dass man noch eine Haarlokke abschneidet bevor die Verbrennung passiert ist.

00:04:45: Ich finde sowieso den Gedanken Asche zu haben irgendwie ganz komisch.

00:04:47: Also das ist für mich zum falschen Zeitpunkt ... Also für mich persönlich hat das auch gar nichts mehr mit der verstorbenen Person zu tun.

00:04:59: Und gemein, weil eben der Bestattungsprozess ja schon eigentlich abgeschlossen ist nämlich die Verbrennung und deswegen finde ich den Gedanken viel schöner zum Beispiel einen Fingerabdruck zu nehmen oder ein Abdruck im Stempelkissen oder einfach bisschen was von den Haaren abzuschneiden.

00:05:15: manche Männer also vor allen Dingen Männer haben keine Haare.

00:05:17: da ist es dann ein bisschen schwierig.

00:05:18: Das hatte ich schon ein paar Mal.

00:05:19: das hatten wir einmal bei einem Gespräch wo wir's vorgeschlagen haben Ohne den Verstorbenen vorher gesehen zu haben.

00:05:25: Dann guckte er uns ganz entsetzt an, das weiß ich noch und meinte ja schöne Idee aber geht nicht genau.

00:05:31: Ja dass ist eine der Ordnungswidrigkeiten in diesem Bereich die uns eigentlich würde ich fast sagen am zweithäufigsten begegnet Das häufigste wonach wir gefragt werden und was eben auch nicht erlaubt ist Die asche ja nicht auf einem friedhof beizusetzen.

00:05:49: Wir werden regelmäßig angerufen, manchmal öfter.

00:05:53: Manchmal weniger öfter wie alles in Phasen in unserem Job und werden nach dem ominösen Schweizer Modell gefragt.

00:06:00: Diese Schweizer Model!

00:06:01: Und vor allem dieser Gedanke daran... Aber erzielt du erst mal

00:06:04: weiter?

00:06:04: Ja also wir wissen tatsächlich nicht so ganz genau wie das dazu gekommen ist dass es so genannt wird.

00:06:09: Wir selber haben's noch nie so genannt aber das ist tatsächlich ein ich glaube seit Jahrzehnten etablierter Prozess oder ein Weg, die Asche des Verstorbenen und der Verstorbene Person an die Zugehörigen auszuhändigen?

00:06:27: Ja.

00:06:27: Aber Sie glauben ja, dass der Weg so funktioniert als das wir ... Die Asche in die Schweiz schicken was auch immer dann in der Schweiz damit gemacht wird und sie wieder zurückgeschickt wird Und dann können wir sie aushändigen.

00:06:41: So ist ja immer die Vorstellung.

00:06:43: So ist tatsächlich die Vorstellungen.

00:06:44: Ich glaube es kommt tatsächlich auch aus der Idee, aus diesen ganzen Grenzgebieten von Deutschland.

00:06:52: In allen anderen Nachbarländern ist es irgendwie erlaubt und die Bestatterinnen in den Grenzgebieten nutzen diese Möglichkeit und erzählen das dann entsprechend.

00:07:07: Ich kenne das vor allem im Grenz-Gebiet zu den Niederlande weil da in den Krematorien bekommt man eben dann die Asche nach der Verbrennung ausgehandigt?

00:07:17: ohne dass man einen Grabplatz nachweisen muss.

00:07:20: Und so ist es eben in Deutschland auch?

00:07:22: Genau, und so ist das aber auch in Deutschland.

00:07:24: Man muss hier nachweisen, dass es einen Grabplatz gibt, dass man eine Möglichkeit hat beizusetzen.

00:07:30: Zum Beispiel kann es auch an der See sein weil eben Nord- und Ostsee als Friedhof zertifiziert sind, deklariert wurden.

00:07:39: In den Niederlande, in der Schweiz, ich glaube auch im Polen ist das nicht so.

00:07:44: Und das heißt, die Bestattungsunternehmen können dann die Asche direkt abholen.

00:07:49: Führen sie nach Deutschland ein und tun dann so als könnten Sie sie einfach den Angehörigen oder Zugehörigen übergeben dass aber immer das Bestattungsgesetz des Landes gilt, in dem sich die Asche gerade befindet.

00:08:02: Sprich dann also Deutschland.

00:08:04: Das wird dann gerne verschwiegen und ich glaube daher rührt diese Vorstellung, dass man Asche irgendwo hinschickt und sie dann wieder zurück schickt und dann ist hier auf einmal was anderes?

00:08:12: Ja!

00:08:12: Das ist nämlich einfach leider nicht so.

00:08:14: Ich glaube tatsächlich, dass Manche bestattungsunternehmen es auch aus Geldmacherei machen weil so kann man nochmal einen Versand hin- und zurück irgendwie abrechnen der wahrscheinlich am Ende gar nicht stattfindet.

00:08:26: Dieses Schweizer Modell, nachdem wir da häufig gefragt werden.

00:08:31: Das basiert nochmal auf einem weiteren Gedanken des Schweizer Bestattungsgesetzes nämlich dass indem man in der Schweiz einen Grabplatz kauft das dadurch die Beisetzung als vollzogen gilt?

00:08:47: Wir bekommen dann also aus der Schweiz eine Unanforderung und damit den Nachweis führt diesen Platz über diesen Grabplatz und dürfen dann die Urne mit der Asche aus dem Krematorien abholen.

00:09:04: Und dürfen sie dann den Zugehörigen übergeben, die sich im Gegenzug dazu verpflichten diese Asche im Laufe von neunundneinzig Jahren den Bestimmungsort zuzuführen also in die Schweiz zu bringen.

00:09:17: Das ist das Nadelöhr sozusagen wo es durchgeht weil das wird nie passieren und das überprüft eben auch keiner.

00:09:24: Das ist aber auch immer der Punkt in den Gesprächen, wo ich mit meinen Angehörigen echt lache.

00:09:29: Weil wir halt uns dann auch mal angucken so ja ... In neun, neunzig Jahren ist einfach keiner mehr hier.

00:09:33: Deswegen das ist eine richtig gute Lücke.

00:09:35: Aber inzwischen gibt es ja auch andere Anbieter oder wir haben auch andere anbietern gefunden.

00:09:41: Deswegen müssen wir das gar nicht über die Schweiz machen und in anderen Ländern ist es ja eh

00:09:45: erlaubt.

00:09:46: Genau!

00:09:47: Also den Weg kann man auch wählen?

00:09:49: Das hatte ich schon einmal ... Da hab ich tatsächlich ganz offiziell eine sogenannte Windbestattung in Norwegen durchführen lassen oder konnte das anbieten, weil es Zugehörige der Familie gab die in Norwegen lebten.

00:10:03: Und ich hatte dort also eine Adresse, die ich angeben konnte ein Empfänger der Urne mit der Asche und die Schwester dieses Menschen, die konnte sich dann hier von Deutschland auf den Weg machen und ist dann auch wirklich tatsächlich nach Norwegen gefahren.

00:10:18: Das war nicht nur auf dem Papier oder für irgendwas.

00:10:21: Sondern das war wirklich auch die Idee dahinter, dass die verstorbene Dort beigesetzt wird und nach dem Ritualen Dort beigesetzt wird.

00:10:29: Und es bedeutet eben, dass sie dort in Norwegen den Wind überlassen wurde.

00:10:34: D.h.,

00:10:35: genau, die beiden sind dann wirklich irgendwann ... Ich weiß gar nicht, Sie haben mir sogar, glaub ich, danach noch das Datum gesagt, wann Sie's wirklich gemacht haben?

00:10:43: Sie sind an den Fjord gegangen, haben die Urne geöffnet und den Inhalt ... rausfliegen lassen.

00:10:50: Und das ist auch in anderen Ländern möglich und erlaubt, es ist nur nicht für alle von uns zugänglich weil man eben diese Adresse also man muss einen Kontaktpersonen in dem entsprechenden Land haben damit man dann auch sozusagen dadurch die Berechtigung hat dieser Art und Weise der Bestattung durchzuführen.

00:11:08: Aber so langsam öffnet sich das hier in Deutschland.

00:11:10: ich meine Bremen war jetzt sehr erste Stadtstadt der ist ein bisschen gelockert

00:11:14: und auch schon seit Jahren

00:11:15: genau zweit im ersten Schritt nur für Menschen mit dem Wohnsitz im Bremen.

00:11:20: Und jetzt Rheinland-Pfalz hat nachgezogen, dass dort die Flussbestattung zum Beispiel erlaubt ist.

00:11:25: Deswegen ... Ich finde schon das wir langsam Hoffnung shopfen können, dass es auch bei uns lockerer wird und Dinge einfach auch erlaubт sind.

00:11:34: Und dass man eben gar nicht mehr diese Zwischenschritte braucht.

00:11:38: Ja!

00:11:39: In Sachsen habe ich letztens tatsächlich gelesen, dass dort sogar darüber nachgedacht wird das Gesetz dahingegen zu verändern.

00:11:48: Dass dort sogar die Herstellung von Erinnerungsschmuck möglich sein soll und das bedeutet dann Ascheteilung denn dafür wird ein Teil der Asche entnommen und daraus wird dann dieser Schmuck hergestellt oder wird eine kleine Viole irgendwie mit befüllt.

00:12:11: Also ich glaube, ganz durch ist der Gedanke noch nicht.

00:12:13: Und ich glaube er ist für viele auch immer noch ungewohnt.

00:12:15: die Bestattungsbranche generell ist eher langsam und behaart natürlich auf Jahrhunderte alten Prinzipien ja und sagt es soll so bleiben.

00:12:25: wie's ist kann ich nachvollziehen weil das ist einfach... Das soll bewahrt werden und das ist auch ein Mittel und Zweck um Geld zu verdienen.

00:12:33: Auch das kann ich total nachvollzehn.

00:12:36: Aber ich hoffe auch tatsächlich, dass da ein bisschen Bewegung reinkommt um den Bedürfnissen der Gesellschaft von heute dann doch noch eher zu entsprechen.

00:12:44: Ja es wird Zeit!

00:12:45: Es wird wirklich Zeit weil wir haben uns so verändert und unsere Nachbarn leben uns das vor.

00:12:52: Es ist ja nicht, dass wir jetzt das Rad hier komplett neu entdecken.

00:12:55: also wirklich wenn wir einmal rund um Deutschland gucken wie viel weiter unsere Nachbars schon sind.

00:13:01: Neulich im Bestattungslhaben?

00:13:04: Ist eine Produktion der gute Leudefabrik im Kooperation mit der Hallradio.

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